
Matto Kämpf und Jess Jochimsen - 'Was sollen die Leute denken'
Heute: Mittwoch, 23.11.2011, 19:30 Uhr
Hannover, Literaturhaus
Sie sind nicht aus der Schweiz und kennen Matto Kämpf nicht? Mit seiner Textkunst bewegt sich der Mann aus Bern zwischen Skurrilisten wie Eckhard Henscheid, Helge Schneider und dem hier gut bekannten Duo Gronius/ Rauschenbach. Und so geradeheraus die Titel seiner Bücher sind, so seltsam dürfen sie dann im Innern sein. Zum Beispiel präsentiert uns Kämpf ein Büchlein mit dem schlichten, archetypischen Titel Krimi, sozusagen „die Mutter aller Schweizer Krimis“, worin sich dann kriminell viel Schräges und Wortwitziges findet – letztlich ein umwerfend komisches Stück veräppelter Heimat: Ein Kommissar kommt mit seinem Assistenten Meuchli in ein Dorf, um den Mord an einem von der Mistgabel durchlöcherten Mann aufzuklären, und wird dort selbst Opfer unzähliger „Pflümli-Katastrophen“. Das Schweizer Radio DRS 3 empfahl, ja: befahl, Krimi bereits als „Muss für Spassbremsen“, da es so zuverlässig multiple Lachanfälle evoziert: Auch mit dieser rätselhaften und aberwitzigen Krimi-Parodie erweise sich Kämpf wieder als „König der Absurditäten und Knecht der Schweizer Eigenartigkeiten“. Wir versprechen also eine echte Entdeckung diesseits der Main-Linie!
Und mit wem lässt sich Jess Jochimsen vergleichen? „Als wären Thomas Bernhard und Ekel Alfred nochmal jung", meint die Badische Zeitung. Der Freiburger Autor und Kabarettist, der "als Stand-up Poet einfach eine Wucht ist“ (Berliner Zeitung) und für seine „nicht ungefährlichen Texte“ jüngst den Kleinkunstpreis Baden-Württemberg 2011 erhielt, tritt seit 1992 auf allen bekannten deutschsprachigen Bühnen auf und verbreitet Texte, Dias und Rock’n’Roll zur allgemeinen Lage. Statt der herkömmlichen Kabarettprogramme mit Anfang, Witz-Zwang und Ende bietet Jochimsen eher literarische Heimatabende mit ungewissem Ausgang und ist dabei ehrlich bis aufs Mark. In seinem nagelneuen Buch Was sollen die Leute denken kündigt ein Mann sein Dasein als "Selbstdarstellungsbeamter" und redet sich um Kopf und Kragen. In diesem verzweifelten, bitteren und sehr komischen Monolog bleibt kein Stein auf dem anderen, und zugleich wird jener kurze Moment unerhörten Glücks beschworen, in dem es völlig egal ist, was die Leute denken.
Wie immer lässt sich der Oblong-Abend nur schwer vorhersagen, weiß doch Impresario Dietrich zur Nedden nach wochenlangen Recherchen, Entwürfen und Kalkül dann doch erst Sekunden vorher, was gleich passiert. Und glücklicherweise erst recht nicht, was die Leute denken. Wohl wird er irgendeinen Song dekonstruieren – vielleicht Quasthoffs Klassiker Männer im November? Wer weiß... Sicher ist nur: Lachen wird man müssen! [www.literaturhaus-hannover.de]
...immer wieder gut der Jess. Hingehen. Wir sehen uns! *yes*
Euch einen schönen Blog.de-Tag! Euer "Kulturreferent-mit-H"